Stefan Reichhart
Stefan Reichhart wurde 1972 in Würselen bei Aachen geboren. Er wuchs als mittlerer von drei Brüdern in einer Familie auf, deren Wurzeln tief in der grafischen Industrie liegen. Vor seinem BWL-Studium absolvierte er, inzwischen in dritter Generation, eine praktische Ausbildung in der Druckbranche. Viele Jahre führte er gemeinsam mit seinem Vater und seinen Brüdern ein Unternehmen für betriebssteuernde Druckereisoftware, in dem er den internationalen Vertrieb verantwortete. In seinem Debütroman „Es blieb nur die Flucht“ beschäftigt er sich intensiv mit der ambivalenten Geschichte seiner Familie und mit einer Zeit, die unsere Gegenwart bis heute prägt. Heute lebt Stefan Reichhart mit seiner niederländischen Frau im deutsch-niederländischen Grenzgebiet und in Spanien.
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Bücher von Stefan Reichhart
Fragen an Stefan Reichhart
Über dich und deine Bücher
Mit welchen 3 Worten würdest du dich als Autor:in beschreiben?
Neugierig, gründlich, erzählerisch.
Vervollständige den Satz: Ich liebe es zu schreiben, weil …
… aus einzelnen Quellen, Fotografien und Erinnerungen irgendwann eine Geschichte entstehen kann, die Vergangenes nah und gegenwärtig werden lässt.
Auf welche Themen oder Tropes darf man sich in deinen Büchern freuen?
Man sagt, die besten Geschichten schreibt das Leben. Mit meinem biografischen Roman »Es blieb nur die Flucht« zeige ich, dass es auch die spannendsten und bewegendsten sind. Im Mittelpunkt stehen zwei Großväter auf entgegengesetzten Seiten der nationalsozialistischen Diktatur. Es geht um Überzeugung, Schuld und Widerstand, und bei aller Spannung vermittelt der Roman zugleich ein tieferes Verständnis für eine Zeit, die unsere Gegenwart bis heute prägt.
Werdegang & Motivation
Erzähl uns etwas über deinen Werdegang als Autor.
Mein Weg zum Schreiben begann 2020 mit dem Gedächtnisbericht von Peter Schöner, dem Sohn eines Freundes meines Großvaters. Die 39 Schreibmaschinenseiten über Widerstand, Verfolgung und Flucht in den letzten Kriegsjahren ließen mich nicht mehr los. Bald war klar: Das war eine Geschichte, die erzählt werden musste. Bei den weiteren Nachforschungen trat gleichberechtigt die Geschichte meines österreichischen Großvaters hinzu, der ein überzeugter Nationalsozialist gewesen war und später in Frankreich für die deutsche Abwehr eingesetzt wurde. Was als Recherche begann, wurde über fünf Jahre zu meinem Weg als Autor. Ich lernte viele interessante Menschen kennen, machte unerwartete Entdeckungen, fand neue Zugänge zu meiner eigenen Familiengeschichte und knüpfte Verbindungen, aus denen zum Teil Freundschaften entstanden. Viele dieser Begegnungen und Erfahrungen haben meine Recherche vertieft und die Arbeit an diesem Roman bereichert.
Wer oder was hat dich dazu inspiriert, Bücher zu schreiben?
Inspiriert haben mich reale Dokumente, Familienerinnerungen und die Frage, wie Menschen vor und während einer Diktatur zu ihren Überzeugungen gelangten. Besonders beschäftigt hat mich, dass die Rollen nicht so eindeutig sind, wie sie zunächst erscheinen: Der Widerständler ist kein Heiliger, der Mitstreiter kein bloßes Klischee. Beide handeln aus tiefen Überzeugungen heraus. Während der Recherche initiierte ich zudem die Verlegung eines Stolpersteins für Agnes Schöner, die 1943 im Rahmen der nationalsozialistischen „Euthanasie“ ermordet wurde. Auch ihre Geschichte gehört zu den historischen Spuren des Romans.
Warum hast du dich für Selfpublishing entschieden?
Ich komme aus der Druck- und Verlagswelt und wollte dieses Buchprojekt in seiner gesamten Form nach eigenen Vorstellungen umsetzen. Selfpublishing gibt mir die Freiheit, nicht nur über den Text zu entscheiden, sondern auch über Lektorat, Gestaltung, Buchausstattung und Vermarktung.
Mir war wichtig, dass der Roman durch einen umfangreichen Anmerkungsteil ergänzt wird. Er macht die historische Grundlage der Handlung sichtbar und lässt viele der geschilderten Ereignisse noch eindringlicher werden.
Zugleich möchte ich die Vermarktung selbst verantworten. Durch meinen beruflichen Hintergrund im Marketing weiß ich, wie entscheidend der direkte Kontakt zu Leserinnen und Lesern, Buchhandlungen, Presse und Veranstaltungsorten ist. Für dieses sehr persönliche Projekt möchte ich mich selbst mit voller Kraft einsetzen.
Dein Schreiballtag
Welche Herausforderungen hast du beim Schreiben deiner Bücher erlebt?
Die größte Herausforderung bestand darin, die vielen bemerkenswerten Anekdoten zu einem Erzählstrang zu verweben, der wie aus einem Guss erscheint. Zugleich war es eine besondere Aufgabe, über die eigene Familie zu schreiben. Das verlangte Nähe, aber auch die Bereitschaft, Widersprüche und unbequeme Seiten stehen zu lassen. Ich kann so viel verraten: Im Laufe dieser Familiengespräche blieb kein Auge trocken.
